Ein Althuchen namens Franz erzählt...

Eine Erzählung aus der Sicht des Fisches

 

Wir haben das Jahr 2010.


„Kinder, schwimmt alle her, ich erzähle euch eine Geschichte…es ist kein Märchen, sondern die Geschichte meines Lebens.“ Und so begann der König der Mur zu erzählen:

 

„Mein Vater hat mir erzählt, dass in der Zeit, als euer Urgroßvater noch lebte, die Mur einer der schmutzigsten Flüsse Europas war. Es gab nur sehr wenige von unserer Art, denn die Vermehrung im schmutzigen Wasser war fast unmöglich. Dennoch schafften es einige zu überleben, wie zum Beispiel mein Vater. Als mein älterer Bruder Gerhard aus dem Ei schlüpfte, hatten die Menschen aus ihren Fehlern gelernt und mit viel Mühe, großem Aufwand und mit vielen Steuergeldern unseren Lebensraum wieder verbessert. Vereine, insbesondere der AFV-Graz setzten junge Huchen in die Mur und wir konnten uns wieder vermehren, da die Bedingungen immer besser wurden.“

 

„Wo ist dein Bruder Gerhard jetzt?“ fragte eine kleine Huchina neugierig. „Tja“, sagte der alte Huchen und senkte den Kopf. „Er lebt in den Stauwurzeln, weit oberhalb der großen grauen Staumauer, die schon vor einigen Jahren einfach mitten durch unseren Fluss gebaut wurde. Seither habe ich ihn leider nie wieder gesehen.“ Ganz traurig und berührt waren alle Huchen und um den Altkönig wieder aufzuheitern blubberte einer hervor: „Aber warum schwimmst du nicht einfach am Rande vorbei? Jemand hat mir gesagt, dass die Menschen dort extra Aufstiegshilfen für uns gebaut haben, dann könntest du deinen Bruder wieder sehen!“

 

„Das ist lieb von dir gemeint, dazu fehlt uns aber die Kraft! Wir Huchen und viele andere salmonidenartige Fische schwimmen immer der stärksten Strömung entgegen, um Kraft zu sammeln. Das Wasser, das über Steine fließt, reinigt nicht nur den Fluss, sondern gibt uns den Sauerstoff den wir brauchen, wir können nicht einfach einen „Umweg“ schwimmen, das liegt nicht in unserer Natur. Und selbst wenn wir es über die Aufstiegshilfe schaffen würden, würde uns der Faulschlamm hinter der Mauer das Leben kosten.“

 

 

 

 

Ein anderer Junghuchen fragte: „Kann dieser giftige Faulschlamm vom Schlammsee auch zu uns herunterkommen?“ Mit einem Wink der rechten Seitenflosse meinte der Althuchen: „Ja, das ist eine gute Frage. Alle paar Jahre muss der giftige Faulschlamm hinter der grauen Mauer weggespült werden und das bedeutet für uns Fische höchste Gefahr! Durch den Spülvorgang wird jegliche Nahrung samt Jungfische, die sich zwischen den Steinen befinden und dort ihr Zuhause haben, mit Schlamm bedeckt, verklebt und getötet. Durch den Stau und seiner Ausleitung werden strömungsliebende Tiere und Pflanzenarten für immer verschwinden. Viele Menschen wissen nicht, dass es dabei für alle im Fließwasser lebenden Tiere um Leben und Tod geht! Der Stauraum Weinzödl wird heuer gespült und deshalb müssen wir uns bald auf die Reise Richtung Süden, nach Puntigam machen um überleben zu können.“


Mit einem kräftigen Flossenschlag drehte sich der Althuchen zur Seite und begann zu weinen. „Wisst ihr Huchenkinder“, schluchzte er, „ich habe eine Kleine Zeitung im Wasser gefunden in der stand, dass auch in Puntigam ein Kraftwerk errichtet werden soll! Sie erzählen allen Leuten märchenhaft, wie schön alles werden sollte. Aber für uns Huchen und zwanzig andere Fischarten würde es den sicheren Tod bedeuten!“ Er konnte seine Enttäuschung über den Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl nicht länger zurückhalten und erzählte unter Tränen vom Vorhaben des Bürgermeisters, die Kraftwerksbetreiber zu unterstützen:


„Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da hat mich sogar der Bürgermeister persönlich in den Händen gehalten! Wir haben uns in die Augen geblickt und ich war stolz auf seine Worte:

Der Lebensraum dieses wunderschönen Fisches muss in Graz erhalten bleiben!

Darauf streckte ich lächelnd wie der Bürgermeister, meinen perlmuttweißen Bauch in die Kamera für ein Foto mit ihm. Ich war sehr stolz darauf, dass uns nicht nur die EU, sondern auch der Bürgermeister in Schutz nahm.

 

 

Ehem. Umweltlandesrat Johann Seitinger (2 v.l.), Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (4 v.l.)

BOKU-Elektro-Befischung 2007 in Graz, Althuchen Franz wurde unbeschadet wieder ins Wasser entlassen.

 

 

Doch das waren nur leere Versprechungen. Er hat uns vergessen, in der Zwischenzeit ist er klarer Befürworter des Kraftwerkes. Warum nur will er uns und unseren Lebensraum zerstören?“ Frech meldete sich ein Junghuchen zu Wort: „Aber wir Huchen sind doch ganz besondere Fische, von denen es weltweit nur noch wenige gibt! Graz ist unser Zuhause!“ Inzwischen gesellten sich auch andere gefährdete Fischarten wie die Bachforellen und Äschen,… zu ihnen und horchten aufmerksam den Erzählungen. Eine Huchenmama meinte: „Wenn Menschen unsere Hilferufe hören könnten, würden sie nachts nicht mehr schlafen können.“


„Aber Huchen-Opa! Dann müssen wir ja ALLE sterben?“, Und alle Junghuchen schluchzten entsetzt und auch der kluge Althuchen Franz, der in seinem ganzen Leben immer wieder neue Dinge lernte, wusste keinen Ausweg mehr…..bis…..Huchina mit einem Flyer zu ihm schwamm:

„Schau, es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die versuchen uns zu retten, sie nennt sich 'Rettet die Mur!' Und es werden immer mehr!“ Mit einem hoffnungsvollen Lächeln raffte sich der Althuchen auf und sagte: „Jetzt heißt es mithelfen und Unterschriften sammeln!“ Der Althuchen Franz machte mitten in der Stadt, gleich unter der Murbrücke, einen Freudensprung aus dem Wasser und sah dabei ein Transparent auf dem stand:


„RETTET DIE MUR, SIE GEHÖRT UNS ALLEN!“

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Danke!

 

Bookmark and Share Mit fließenden Grüßen – Euer RettetdieMur.at – Team!

 

 

 

 

 

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